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Vorschau auf die Berlin Con 2026

Wenn das Jahr halb vorbei ist, gibt es zwei besonders tolle Dinge: Zum einen ist Sommer, zum anderen steht die Berlin Con vor der Tür. Für uns ist sie ein absolutes Highlight im Spielejahr, auf das wir uns immer sehr freuen. So auch in diesem Jahr. Neben ein paar Spielen, die wir bereits auf der Liste haben, bietet auch die Con als Veranstaltung einige Neuheiten.

Awareness-Team

Um Inklusion zu fördern und damit sich schlicht alle auf der Con willkommen, sicher und wohl fühlen können, wird es in diesem Jahr ein Awareness-Team geben. Es ist auf der Con unterwegs und ihr könnt es ansprechen, wenn ihr unangenehmen und diskriminierenden Situationen oder Belästigung ausgesetzt seid oder dies beobachtet. Außerdem wird es eine Awareness Oase in Raum 5 (2. Etage) geben, in der ihr ebenfalls Ansprechpersonen findet oder die ihr aufsuchen könnt, wenn ihr einen Safe Space oder Rückzugsort benötigt. Das komplette Awareness-Konzept könnt ihr euch auf der Homepage der Berlin Con über folgenden Link anschauen. Dort findet ihr auch Kontaktmöglichkeiten (Mail und Telefon), wenn ihr auf der Con unterwegs seid.
Wir finden es klasse, dass das Berlin Con-Team sich dem Thema Awareness auf diese Weise angenommen hat und entsprechende Anlaufstellen auf der Veranstaltung bietet. Schon im Vorfeld euch und allen freiwilligen Helfer*innen aus der Community vielen herzlichen Dank für euren Einsatz und die Umsetzung des Konzepts!

Solltet ihr auf der Con Diskriminierung, Belästigung oder unangenehme Situation erfahren oder von der Masse an Menschen emotional überfordert sein, könnt ihr die Awareness Oase im Raum 5 – 2. Etage aufsuchen.

Community Playground

Ebenfalls eine tolle Neuerung, die in diesem Jahr eingerichtet wurde, ist der Community Playground. Hierbei handelt es sich um einen separaten Raum im ersten Stock. Über die App könnt ihr in diesem Raum Spielerunden anbieten und organisieren. Euch wird dann für den geplanten Zeitraum ein Tisch reserviert und andere Spieler*innen haben ebenfalls über die App die Möglichkeit, sich für eure Runde anzumelden. Perfekt, um vor Ort gekaufte oder mitgebrachte Spiele zu testen oder vielleicht mal eine Rollenspielrunde anzubieten.

Und gespielt wird auch!

Wie bereits erwähnt, haben wir natürlich auch wieder einige spannende Spiele ausgemacht. Teils konnten wir sie schon online testen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels haben allerdings noch nicht alle Beteiligten ihre Spiele in die App übertragen, so dass wir davon ausgehen, uns keinen vollständigen Überblick verschafft zu haben. Gerade in der Prototypengalerie, die mit 42 Tischen in diesem Jahr erfreulich groß ausfällt, sind viele Titel und Beschreibungen noch nicht hinterlegt gewesen.

Wuselige Wiesen (Frosted Games; Halle 2; Stand 3-04)

Titel: Wuselige Wiesen
Autor*innen: Trevor Benjamin und Brett J. Gilbert
Illustration: Paulina Victoria
Verlag: Frosted Games
Spieler*innen: 2-4
Dauer: 25-40 Minuten

Foto: Frosted Games

Wuselige Wiesen ist uns zuerst durch seinen Titel im Gedächtnis hängen geblieben. Wir dachten an ein Spiel über Insekten, lagen damit aber nur zu einem geringen Teil richtig. Im Spiel legen wir rechteckige Plättchen aneinander, auf denen verschiedenfarbige Beete abgebildet sind und entweder ein Teich oder ein Pilz auf einem Beet. Schaffen wir es drei gleichfarbige Beete aneinander zu legen, so kreieren wir nektarreiche Felder. Wir locken dann auf dem entsprechenden Feld sowie jedem weiteren nektarreichen Feld derselben Farbe Bienen in Meepleform an. Schaffen wir es, alle Beete eines Plättchens zu nektarreichen Feldern zu machen, siedelt sich ein Kolibri an. Ebenso lassen sich durch geschicktes Kombinieren der Teich- und Pilzfelder Wiesengeister anlocken. Alle Wesen legen wir als Holzmeeple auf unsere ausgespielten Teilchen und wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

In Wuselige Wiesen locken wir durch geschicktes platzieren von Plättchen Bienen, Kolbris und Wiesengeister an, die uns am Ende des Spiels Punkte bringen. (Foto: Frosted Games)

Zugegebenermaßen waren wir anfangs etwas enttäuscht, dass es beim Spiel doch nicht primär um Insekten ging. Das verflog allerdings recht schnell, als sich herausstellte, dass es sich um ein recht herausforderndes Legespiel handelt, das aber einfach zu lernen ist. Die Kombinationsmöglichkeiten lassen das Hirn auf Hochtouren laufen und man wird durch gutes Platzieren mit tollen Ketteneffekten belohnt.

Tír na nÓg (Frosted Games; Halle 2; Stand 3-04)

Foto: Frosted Games

Titel: Tír na nÓg
Autor*innen: Isaac Shalev und Jason Slingerland
Illustration: Marlies Barends und Brigette Indelicato
Verlag: Frosted Games
Spieler*innen: 1-5
Dauer: 30-45 Minuten

Tír na nÓg punktet ebenfalls über das Konzept “Easy to learn, hard to master”. Thematisch reisen wir als Geschichtsschreiber*in der Kelten in die Anderswelt und erleben dort Abenteuer, um nach unserer Rückkehr die epischste Geschichte zum Besten geben zu können. Im Spiel merkt man davon nicht wirklich viel. Allerdings verleiten die fantastischen Illustrationen von Marlies Barends und Brigette Indelicato dazu, sich einmal mit keltischen Sagen und Mythen auseinanderzusetzen. Und das Spiel selbst ist auch richtig klasse.
Jede*r Spielende startet mit 5 Begegnungskarten auf der Hand. In einer ersten Drafting-Runde dürfen wir reihum abwechselnd 3 Geschichtenerzähler*innen zwischen 2 Karten einer offenen Auslage legen. In der nächsten Phase wählen wir nun in umgekehrter Reihenfolge 1 der Karten, zwischen denen eine*r unserer Geschichtenerzähler*innen liegt. Im Anschluss spielen wir eine unserer Handkarten in eine von drei möglichen Reihen in unserem Spielbereich aus. Jede Karte hat einen Zahlenwert und eine Farbe und jede Reihe bestimmte Kombinationsanforderungen, über die zum Spielende hin Punkte generiert werden. Außerdem bringen einige Karten Effekte mit, über die wir unseren Spielbereich im Nachhinein verändern können. Wer am Ende die meisten Punkte über die Reihenaufgaben sowie Farbmehrheiten der ausgespielten Karten gesammelt hat, gewinnt.

Ein innovativer Drafting-Mechanismus ist zentraler Bestandteil von Tír na nÓg. Die so erhaltenen Karten sind nach speziellen Legeregeln in unsere Auslage zu spielen um möglichst viele Punkte zu erhalten. (Foto: Frosted Games)

Frosted Games hat uns im vergangenen Jahr bereits mit Endeavor: Deep Sea begeistert. Auch in diesem Jahr weiß der Verlag mit den Titeln zu überzeugen. Sowohl Wuselige Wiesen als auch Tír na nÓg konnten wir bereits auf Boardgamearena testen. Insbesondere die Zugänglichkeit und die angenehme Spieltiefe blieben in Erinnerung. Für beide Titel einen Daumen hoch von uns.

Reforest (Board Game Circus; Halle 2; Stand 3-05)

Titel: Reforest
Autor*innen: Sébastien Bernier-Wong
Illustration: Janine van Fram
Verlag: Board Game Circus
Spieler*innen: 1-4
Dauer: 30-60 Minuten

Nicht rechtzeitig auf die Berlin Con schafft es Reforest von Board Game Circus. Wir schauen trotzdem vorbei, in der Hoffnung, einen Blick auf ein Vorabexemplar werfen zu können. Im Spiel erschaffen wir Wälder des amerikanischen Nordwestens.
Die Gegend zeichnet sich durch Regenwälder, die teils auch direkt an der Küste liegen, sowie Gebirgsketten aus. Im Spiel spiegelt sich dies dahingehend wider, dass wir die Karten in Pyramidenform auslegen. Jede Reihe entspricht dabei einer Höhenstufe. Entsprechend können nur die Pflanzen, die in dieser Höhe bestehen können, in die zugehörige Reihe ausgespielt werden.
Ein weiteres biologisches Konzept im Spiel: Man kann Pflanzen überdecken, zumindest wenn sie größer sind als die darunterliegende. Sind die verdeckten Karten schattenresistent, so bleiben ihre Punkte und Eigenschaftssymbole erhalten, ansonsten vergehen sie und werden quasi zu Kompost – Energie, die dann neuen Pflanzen zur Verfügung steht.
Auch Reforest konnten wir bereits online ausprobieren. Neben den sehr thematischen Mechanismen und dem tollen Artwork auf den Karten zeichnet sich das Spiel durch die enge Verzahnung von Karteneffekten aus und ist anspruchsvoller als gedacht. Sofern man den Titel schon anschauen kann, lohnt sich der Blick definitiv.

Elemonsters explore (Saal Europa; Stand E-23)

Titel: Elemonsters explore
Autor*innen: Andreas Dihm und Richard Schweiger
Verlag: Nut & Shell Games
Spieler*innen: 2-4
Dauer: 30-60 Minuten

Elemonsters explore ist die zweite Auflage von Elemonsters (s. Foto), das wir bereits 2021 in Berlin kennenlernen durften und das von Andreas Dihm und der Gesellschaft Deutscher Chemiker herausgebracht wurde. Es handelt sich um ein Kartenspiel, in dem wir die chemischen Elemente als Monster gegeneinander antreten lassen können. Das Kampfsystem ist lose an die altbekannten Quartettmechanismen angelehnt, also höhere Werte, z. B. bei Atommasse, schlagen kleinere. Das Besondere am Spiel ist zum einen, dass man, um Siegpunkte zu generieren, nicht zwangsläufig kämpfen, sondern Verbindungen zwischen den Elementen schaffen muss. Auf diese Weise lernt man spielerisch, wie chemische Bindungen funktionieren und welche Arten von Bindungen es gibt. Zum anderen lassen sich die auf den Karten abgebildeten Elemonsters über eine App mit Augmented Reality zum Leben erwecken. Nicht nur bei Kindern ist damit die Aufmerksamkeit garantiert.

Nature Modul 3 Desasters & Modul 4 Tundra (HABA; Halle 2; Stand 4-01)

Titel: Nature
Autor*innen: Dominic Crapuchettes
Illustration: Catherine Hamilton, Alyssa McCarthy und Nina Pommelin
Verlag: HABA
Spieler*innen: 1-4
Dauer: 30-45 Minuten

Zur Spiel ’25 erschien bei HABA die deutsche Version von Nature, der Neuauflage des Spiels Evolution. Nun kommen hierzu zwei neue Erweiterungsmodule heraus was zum einen gut ist, aber gleichzeitig auch die große Schwäche dieser Überarbeitung aufzeigt.
In Nature erschaffen wir verschiedene Tierspezies und versuchen diese im Vergleich zu denen unserer Gegner*innen besser zu entwickeln und stärker zu machen. Hierzu statten wir die Grundspezies mit Merkmalskarten aus, die sie von anderen Spezies im Spiel unterscheiden und ihnen Vorteile verschaffen – Evolution am Spieltisch im Schnelldurchlauf.
Der englische Originalverlag NorthStarGames hat sich entschieden, die Neuauflage des Spiels maximal gewinnorientiert zu veröffentlichen. So wurde das ursprüngliche Evolution gestreamlined und Nature ist nun bei weitem nicht mehr so konfrontativ und bestrafend wie das Original. Je nach Spieler*in kann man dies nun positiv oder negativ empfinden. Was schwerer wiegt: das Grundspiel ist auf einige wenige Merkmalskarten reduziert worden. Die spannenderen sowie weitere Mechanismen werden nun häppchenweise als Modul nachgeliefert. Das Grundspiel allein spielt sich daher komplett belanglos herunter. Schade.
Gerade deswegen ist es schön, das HABA sich nicht nur der Lokalisation dieser Minimalausgabe angenommen hat, sondern nun auch die Module auf deutsch herausbringt. Die Veröffentlichungsform möchten wir ihnen hier nicht anlasten. Wer das Grundspiel besitzt und wie wir enttäuscht war, sollte vielleicht einen Blick auf die Erweiterungen werfen. Vielleicht werten diese das Spielerlebnis nochmals auf. Evolution ist jedenfalls – mit Ausnahmen –  durchaus thematisch im Spiel umgesetzt, wenn auch nicht ganz so hart und konsequent wie im ursprünglichen Evolution oder der Realität.

The Fallpoint (Last Mile Games; Halle 2; Stand 5-13)

Titel: The Fallpoint
Autor*innen: Vivek Mehta und Stefan Wingo
Verlag: Last Mile Games
Spieler*innen: 2-6
Dauer: 90-120 Minuten

The Fallpoint dreht sich rund um die Klimakrise und deren Konsequenzen. Im Spiel schlüpfen die Spieler*innen in die Rollen von Personen, die sich in einer Stadt mit verschiedenen Bedrohungsszenarien konfrontiert sehen. Die Rollen sind dabei vielfältig verteilt, vom Rich Kid über Politiker*innen bis zur Umweltaktivist*in. Alle bringen individuelle Fähigkeiten mit um die jeweilige Krise zu lösen. Es gibt mehrere Städte mit unterschiedlichen Szenarien – für Abwechslung ist also gesorgt.
The Fallpoint begleiten wir nun schon seit unserem ersten Besuch auf der Berlin Con. Die Autoren Vivek und Stefan arbeiten mit viel Engagement und Herzblut an ihrem Spiel. Ein Einsatz, der belohnt wurde: Im vergangenen Jahr gewannen die beiden den Berlin Con Förderpreis für den besten Prototypen. Dieses Jahr geht es ans Eingemachte, denn der Prototyp ist finalisiert und im Herbst ist geplant, die Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung zu starten. Wir sein neugierig darauf ein letztes Mal zu sehen, was sich noch am Spiel noch geändert hat und freuen uns Vivek und Stefan wiederzusehen.

Schnappschuss von der Berlin Con 2024: Wir testen The Fallpoint mit Vivek. 

All the world's a stage

Abschließend noch ein schneller Tipp fürs Bühnenprogramm. Am 11.07.2026 um 12 Uhr präsentieren Josefine Schwarzer und Monika Gärtner ihren Vortrag How to Game – Serious Play für den Praxiseinsatz. Im Vortrag sollen Impulse gesetzt und Möglichkeiten erschlossen werden, wie sich Spiele gezielt zu Bildungszwecken einsetzen lassen. Für alle die (neben-) beruflich oder ehrenamtlich in dem Bereich tätig sind und gerne dem Spiel fröhnen dürften sich hier spannende Infos finden lassen.

Soweit also unsere Tipps zur Con. Wir freuen uns auf spannende Gespräche und Spielpartien in Berlin. Wenn ihr uns trefft oder noch einen Tipp für ein Spiel habt, das wir uns unbedingt anschauen sollten, dann sprecht uns gern an! Wir freuen uns darauf!